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7. April 1945 – Ferner Kanonendonner und brennende Brücken

Der Frühling 1945 zeigt sich im Allgäu von seiner trügerischsten Seite. Während die Natur rund um Obergünzburg, in den Tälern der Günz und an den Hängen in Richtung Kempten zu neuem Leben erwacht, liegt ein bleierner Schatten über der Region. Der Krieg, der jahrelang in fernen Ländern wütete, rückt unaufhaltsam näher.

Die Gerüchteküche in den Dörfern brodelt. Was passiert, wenn die Amerikaner kommen? Werden unsere Heimatorte, werden Kempten, Kaufbeuren und Memmingen bis zum letzten Stein verteidigt? Ein Blick in den Norden Bayerns zeigt an diesem 7. April, wie schmal der Grat zwischen völliger Vernichtung und wundersamer Rettung geworden ist.

In Bad Kissingen sprengten Pioniere der Wehrmacht in der Nacht zum 7. April die Ludwigsbrücke. Der Befehl dazu war in der deutschen Kommandantur hochumstritten und wurde vom Kampfkommandanten nur widerwillig erteilt. Als im Laufe des Tages das 30. Infanterieregiment der US Army heranrückt, beweisen einige Bürger wahre Größe. Der Militärarzt Dr. Wilhelm Metz und der Dolmetscher Jens vom Hagen wagen sich als Parlamentäre vor und verhandeln mit den Amerikanern. Ihnen gelingt das Unfassbare: Trotz der gesprengten Brücke erreichen sie die friedliche und kampflose Übergabe der Stadt.

Ein Funken Hoffnung für das Allgäu? Die Menschen in Obergünzburg klammern sich an Nachrichten wie diese. Doch die eiserne Faust des NS-Regimes greift noch immer hart durch. Hitlers „Nero-Befehl“, der die Zerstörung jeglicher Infrastruktur fordert, um dem Feind nur verbrannte Erde zu hinterlassen, schwebt wie ein Damoklesschwert über den Brücken und Straßen Schwabens. Die ständige Präsenz von fanatischen Einheiten schnürt den Menschen die Kehle zu. Jeder ahnt: Die entscheidenden, vielleicht tödlichsten Wochen stehen unserer Heimat erst noch bevor.


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