Ein trügerischer Frühlingstag, der Fall der Donau und das Kriegsende in Obergünzburg
Ein herrlicher, geradezu idyllischer Frühlingsmittwoch bricht an diesem 25. April 1945 über dem Allgäu an. Die wärmende Sonne und der wolkenlose blaue Himmel über dem Günztal stehen in einem unerträglichen Kontrast zu der todbringenden Realität. Diese spielt sich auf den Landstraßen ab. Während die Natur ringsum zu neuem Leben erwacht, entblößt das klare Wetter die Region schonungslos den Blicken der alliierten Aufklärer und Jagdbomber. Das Kriegsende in Obergünzburg wird an diesem strahlenden Tag unausweichlich zur Gewissheit. Denn die letzte große natürliche Schutzbarriere im Norden fällt endgültig.
US-Panzer überqueren die Donau und das Kriegsende in Obergünzburg rückt näher
Der militärische Fokus liegt an diesem 25. April auf der Donau. Diese war von der zerfallenden deutschen Führung als letzte Rettungslinie vor Schwaben propagiert worden. Die 7. US-Armee setzt unter dem blauen Frühlingshimmel zu einem gewaltigen und vernichtenden Stoß an. Mit überlegener Truppenstärke und massiver Panzerunterstützung erzwingen die Amerikaner nun weitere entscheidende Flussüberquerungen. Sie erreichen dies bei Donauwörth, Günzburg und Neu-Ulm.
Die hastig aufgestellten, ausgezehrten und völlig unzureichend bewaffneten deutschen Truppenteile können dem massiven Artilleriefeuer und den anrollenden amerikanischen Panzerspitzen in diesen örtlichen Gefechten absolut nichts mehr entgegensetzen. Mit dem endgültigen Fall von Günzburg und Neu-Ulm ist das Tor in unser Allgäu für die US-Militärmaschinerie nun sperrangelweit aufgestoßen.
Zwischen den schweren Sherman-Panzern der Amerikaner und den Haustüren in unserer Marktgemeinde gibt es fortan keine ernstzunehmenden topografischen Hindernisse oder geschlossene Frontlinien mehr. Die zersprengten Reste der Wehrmacht und der SS befinden sich in einem ungeordneten, panischen Rückzug in Richtung der Alpen. Das macht die Straßen für den raschen amerikanischen Vorstoß frei.
Verzweiflung und Panzersperren im benachbarten Kaufbeuren
Während die US-Truppen von der Donau aus unaufhaltsam auf unsere Region zusteuern, flüchtet sich die nationalsozialistische Führung im Allgäu in einen letzten, wahnwitzigen Aktionismus. In unserer direkten Nachbarstadt Kaufbeuren erfolgt genau an diesem 25. April ein dramatischer Befehl. Der amtierende Bürgermeister Karl Deinhardt, der zugleich als Kreisstabsführer des Volkssturms fungiert, ordnet die sofortige Errichtung von massiven Straßensperren an.
Alte Männer und wehrpflichtige Jugendliche sollen sich mit hastig gefällten Baumstämmen und primitiven Barrikaden den heranrollenden, tonnenschweren amerikanischen Panzern in den Weg stellen. Dieser Befehl ist ein reiner militärischer Verzweiflungsakt. Zudem setzt er unsere Heimatstädte der unmittelbaren Gefahr einer völligen Vernichtung durch US-Artilleriebeschuss aus.
Unter dem strahlend blauen Himmel dieses 25. April 1945 wartet Obergünzburg zitternd auf das Unvermeidliche. Die militärische Lage ist restlos aussichtslos, die Donau-Barriere ist pulverisiert. Außerdem rückt das tiefe Grollen der amerikanischen Panzerketten mit jedem wärmenden Sonnenstrahl unaufhaltsam näher an das Günztal heran.