24. April 1945

24. April 1945

Ein trügerischer Frühlingstag, der Fall der Donau und der Wahn der Panzersperren

Ein herrlicher, sonniger Frühlingsmittwoch bricht an diesem 25. April 1945 über dem Allgäu an. Zeitzeugen beschreiben das Wetter an diesem Schicksalstag als einen „Frühlingstag, wie man ihn schöner nicht denken konnte“. Doch die wärmende Sonne und der wolkenlose Himmel über dem Günztal sind trügerisch. Der strahlende Sonnentag entblößt die Region schonungslos den Blicken der alliierten Jagdbomber.

US-Panzer überqueren die Donau: Das Kriegsende in Obergünzburg rückt näher

Der militärische Fokus an diesem 25. April liegt auf der Donau, der letzten großen und natürlichen Schutzbarriere vor Schwaben und unserem Heimatlandkreis. Die 7. US-Armee setzt an diesem Tag zu einem gewaltigen und vernichtenden Stoß an. Mit überlegener Truppenstärke und massiver Panzerunterstützung erzwingen die Amerikaner nun weitere, entscheidende Flussüberquerungen bei Donauwörth, Günzburg und Neu-Ulm.

Die hastig aufgestellten und völlig unzureichend bewaffneten deutschen Truppenteile können dem massiven Artilleriefeuer und den anrollenden Panzerspitzen in diesen örtlichen Gefechten absolut nichts mehr entgegensetzen. Mit dem Fall von Günzburg und Neu-Ulm ist das Tor ins Allgäu für die US-Armee nun sperrangelweit aufgestoßen.

Zwischen den schweren Sherman-Panzern der Amerikaner und den Ziegeldächern von Obergünzburg gibt es nun keine ernstzunehmenden topografischen Hindernisse oder gar geschlossene Frontlinien mehr. Die zersprengten Reste der Wehrmacht befinden sich in einem ungeordneten, panischen Rückzug in Richtung der Alpen.

Verzweiflung und Panzersperren im benachbarten Kaufbeuren

In unserer direkten Nachbarstadt Kaufbeuren erfolgt genau an diesem 25. und 26. April ein dramatischer Befehl. Bürgermeister Karl Deinhardt, der zugleich als Kreisstabsführer des Volkssturms fungiert, ordnet die sofortige Errichtung von Straßensperren an.

Alte Männer und wehrpflichtige Jugendliche sollen sich mit hastig gefällten Baumstämmen und primitiven Barrikaden den heranrollenden, tonnenschweren amerikanischen Panzern in den Weg stellen. Dieser Befehl ist ein reiner militärischer Verzweiflungsakt. Er setzt unsere Heimatstädte der unmittelbaren Gefahr einer völligen Vernichtung durch ein US-Bombardement aus. Zum großen Glück für die Zivilbevölkerung wird dieser Befehl im Angesicht des totalen militärischen Zusammenbruchs offenbar nicht mehr in letzter Konsequenz ausgeführt.

Unter dem strahlend blauen Himmel dieses 25. April 1945 wartet Obergünzburg zitternd auf das Unvermeidliche. Die militärische Lage ist restlos aussichtslos, die Donau-Barriere ist pulverisiert. Das tiefe Grollen der schweren Panzerketten rückt mit jedem Sonnenstrahl näher an unsere Haustüren heran. Die „Stunde Null“ bricht an.

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