Der überraschende, heftige Winterschnee der vergangenen Tage beginnt in diesen ersten Maitagen langsam zu tauen. Dadurch verwandelt er die Landstraßen des Günztals in tiefe, nasskalte Schlammpisten. Während die Zivilbevölkerung das trübe, regnerische Frühlingswetter nutzt, um sich an die Präsenz der US-Truppen zu gewöhnen, fallen auf höchster militärischer Ebene die finalen Entscheidungen. Mit der formellen Kapitulation der verbliebenen deutschen Heeresgruppen wird das Kriegsende in Obergünzburg nun auch auf dem Papier endgültig und unwiderruflich besiegelt. Das bange Warten auf eine mögliche Rückkehr der Front hat damit ein Ende gefunden.
Die Kapitulation der 19. Armee sichert das Kriegsende in Obergünzburg
Die amerikanischen Panzereinheiten, die unsere Marktgemeinde besetzt haben und weiter in Richtung der Gebirgstäler vorgerückt sind, verzeichnen in diesen Tagen das endgültige Erliegen des feindlichen Widerstands. Südlich von Füssen und im angrenzenden Tirol zwingt die amerikanische Übermacht die deutschen Truppen in die Knie. Gleichzeitig verwandelt der schmelzende Schnee die Passstraßen in reinen Morast. Am 5. Mai kapitulieren die Reste der 19. deutschen Armee unter dem gewaltigen Druck der vorrückenden US-Infanterie bedingungslos.
Für unsere Region ist dieser militärische Akt von enormer Bedeutung, da diese Armeeeinheiten für den fanatischen Kampf in einer Alpenfestung vorgesehen waren. Die amerikanischen Einsatzberichte notieren an diesem Tag erleichtert das sofortige Ende der Feindseligkeiten an ihrer direkten Front. Mit der Niederlegung der Waffen im Gebirge ist die Gefahr von Gegenangriffen oder anhaltendem Artilleriebeschuss auf unsere Heimatdörfer gebannt. Die Menschen im Allgäu können nun tief aufatmen, da der Krieg nicht mehr vor ihre Haustüren zurückkehren wird.
Der 6. Mai und das endgültige Schweigen der Waffen
Während die Truppen im Süden entwaffnet werden, vollzieht sich in der Nähe von München der entscheidende politische Akt für den gesamten süddeutschen Raum. Im Staatsatelier in Baldham unterzeichnen ranghohe deutsche Offiziere nach kurzen Verhandlungen die offizielle Kapitulationsurkunde für die Heeresgruppe G. Am Mittag des 6. Mai tritt dieser weitreichende Befehl in Kraft und beendet den Zweiten Weltkrieg in ganz Bayern.
Das nasse, trübe Maiwetter wäscht den Staub der Panzerketten von den Straßen. Währenddessen wird in den Hauptquartieren der Alliierten die neue Besatzungszeit organisiert. Die US-Truppen gehen nun von Kampfeinsätzen zu reinen Besatzungsaufgaben über, sammeln versprengte Soldaten ein und kontrollieren den zivilen Verkehr. Für Obergünzburg, Memmingen und Kaufbeuren beginnt eine Phase des tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels unter amerikanischer Verwaltung. Das mörderische NS-Regime ist zerschlagen, die Waffen schweigen und die Region blickt einer ungewissen, aber endlich friedlichen Zukunft entgegen.




