Ein kühler, aber allmählich sonniger Maimontag bricht am 7. Mai 1945 über dem Günztal an. Der überraschende Schnee der vergangenen Tage ist fast vollständig geschmolzen und hat die unbefestigten Landstraßen in tiefen Schlamm verwandelt. Doch es ist nicht nur das Wetter, das die Menschen an diesem Tag in ihren Häusern hält. Das Kriegsende in Obergünzburg bringt heute einen nie gekannten, absoluten Stillstand des öffentlichen Lebens mit sich, denn die amerikanische Besatzungsmacht greift nun mit eiserner Hand durch.
Strenge Straßensperren festigen das Kriegsende in Obergünzburg
Die Kampfhandlungen im Allgäu und den angrenzenden Alpen sind nach der formalen Kapitulation der Heeresgruppe G endgültig verstummt. Doch anstatt einer sofortigen, befreiten Normalität verhängen die alliierten Truppen nun drastische Maßnahmen über die Zivilbevölkerung. Die amerikanischen Panzerbataillone, die noch vor wenigen Tagen in rasantem Tempo durch unsere Heimat gerollt waren, erhalten an diesem 7. Mai einen unmissverständlichen neuen Auftrag von der Militärregierung.
Überall auf den Hauptstraßen zwischen Füssen, Kempten und unserer Marktgemeinde werden von den US-Einheiten schwer bewachte Straßensperren errichtet. Das primäre Ziel dieser amerikanischen Checkpoints ist es, den gesamten zivilen Verkehr in der Region rigoros einzufrieren. Niemand darf ohne ausdrückliche Genehmigung der neuen Machthaber seinen Wohnort verlassen oder die Gemeindegrenzen übertreten. Für die Landwirte und Bürger bedeutet dies eine absolute Lähmung ihrer täglichen Arbeit.
Jagd auf versprengte Soldaten und das Sammeln der Nachzügler
Dieser erzwungene Stillstand auf den schlammigen Allgäuer Straßen hat einen konkreten militärischen Hintergrund. In den Wäldern und Tälern irren noch immer Tausende versprengte, führungslos gewordene Wehrmachtssoldaten und SS-Angehörige auf der Flucht umher. Die amerikanische Hauptaufgabe an diesem Montag besteht in der systematischen Sammlung all dieser Nachzügler aus den völlig zerfallenen deutschen Einheiten.
Wer an diesem Frühlingstag in Obergünzburg aus dem Fenster blickt, sieht die elenden Züge dieser entwaffneten Männer, die von amerikanischen Posten in provisorische Gefangenenlager abgeführt werden. Gleichzeitig strömen befreite Zwangsarbeiter über die Straßen, was die Besatzungsmacht logistisch vor immense Herausforderungen stellt. Der 7. Mai 1945 zementiert in unserer Heimat den unumstößlichen Übergang vom militärischen Kampfgebiet zur streng kontrollierten Besatzungszone.
