28. April 1945

28. April 1945

Ein unbarmherziger, sehr stürmischer Aprilwind fegt am 28. April 1945 über das Günztal und rüttelt an den Ziegeldächern. Für die Bürger in unserer Marktgemeinde hat das monatelange Warten auf den Feind ein Ende gefunden, doch während sie erste vorsichtige Blicke auf die fremden Besatzer werfen, tobt der Krieg im Umland weiter. Das Kriegsende in Obergünzburg ist zwar militärisch vollzogen, aber der rasante Vorstoß der US-Armee treibt die Front nun unaufhaltsam in Richtung der nahen Alpen und der Landeshauptstadt München. Das laute Dröhnen der Panzermotoren und die Befreiungsmärsche verlagern sich rasend schnell in den Süden und Osten unserer Allgäuer Heimat.

US-Panzer rücken ins Gebirge vor und sichern das Kriegsende in Obergünzburg

Blicken wir an diesem stürmischen Samstag auf die militärische Lage, so zeigt sich die immense und kaum zu begreifende Geschwindigkeit der amerikanischen Truppenbewegungen. Nachdem amerikanische Panzerverbände am Vortag bereits Kempten erreicht haben, rücken die Einheiten am 28. April weiter in Richtung Nesselwang und Füssen vor. Die militärischen Aufzeichnungen der Alliierten vermerken für diesen Tag explizit das sehr stürmische, ungemütliche Wetter, das den Vormarsch der Kolonnen durch die gebirgige Voralpenlandschaft hartnäckig begleitet.

Die von der Parteipropaganda so lange und bedrohlich heraufbeschworene Alpenfestung erweist sich dabei endgültig als ein reines, trügerisches Phantom. Die US-Truppen stoßen auf ihrem Weg in das Gebirge auf kaum noch nennenswerten Widerstand der in alle Winde zerstreuten Wehrmacht und Waffen-SS. Mit dem rasanten Abrücken der gepanzerten Kampfgruppen in Richtung Süden festigt sich die neue Ordnung, und das bange Warten auf die Kampfhandlungen weicht endgültig der bitteren Realität der militärischen Besatzung.

Der Fall von Augsburg und das unvorstellbare Grauen bei Landsberg

Auch im Osten und Norden unserer Region brechen an diesem 28. April die allerletzten Dämme der nationalsozialistischen Verteidigung in sich zusammen. Die Großstadt Augsburg wird von der 7. US-Armee eingenommen, wobei der von vielen Zivilisten gefürchtete und tödliche Straßenkampf glücklicherweise ausbleibt und die Fuggerstadt weitgehend kampflos in feindliche Hände übergeht. Gleichzeitig erzwingen amerikanische Infanteristen am frühen Morgen den hart umkämpften Übergang über den Lech bei Pitzling und rücken in Landsberg ein, wo aus unzähligen Fenstern die rettenden weißen Fahnen der Kapitulation im Sturmwind wehen.

Doch der amerikanische Sieg bei Landsberg bringt an diesem Samstag auch das absolute, unvorstellbare Grauen der Diktatur ans Tageslicht. Soldaten der US-Infanterie entdecken im nahegelegenen Kaufering die tödlichen Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Was die Befreier dort vorfinden, übersteigt jede menschliche Vorstellungskraft und führt den alliierten Truppen sowie der unschuldigen Zivilbevölkerung schonungslos vor Augen, welch mörderisches System hier am Werk war. Während in unserer Gemeinde endlich die Waffen schweigen, offenbart sich nur wenige Kilometer entfernt die dunkelste Fratze des Regimes in ihrer gnadenlosen Brutalität.

Lagekarte US-Army

Lagekarte der US-Army vom 28.04.1945
Lagekarte der US-Army vom 28.04.1945

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