Nasses Schneetreiben und eisiger Regen verwandeln das Allgäu an diesem 30. April 1945 in eine unbarmherzige Schlammlandschaft. Das trübe, nasskalte Wetter lähmt die Bewegungen auf den Landstraßen rund um das Günztal und lässt die Menschen fröstelnd in ihren Häusern ausharren. Doch trotz der widrigen Witterung überschlagen sich die historischen Ereignisse in Bayern nun vollends. Für die Bewohner unserer Marktgemeinde ist das Kriegsende in Obergünzburg bereits zur unumstößlichen Gewissheit geworden, während tief im Osten an diesem Montag das symbolische Herzstück des nationalsozialistischen Regimes endgültig aufhört zu schlagen.
München fällt und besiegelt das Kriegsende in Obergünzburg
Blicken wir an diesem nasskalten Montag auf die bayerische Landeshauptstadt, so vollzieht sich dort das rasche und fast schon überraschende Ende der Herrschaft. Die amerikanische 42. und 45. Infanteriedivision stürmen von Westen und Norden her auf München zu, das von der Propaganda einst so stolz als Hauptstadt der Bewegung gepriesen wurde. Die wahnwitzigen Durchhalteparolen des Gauleiters Paul Giesler verhallen im Nichts, denn die völlig unzureichend ausgerüsteten und dezimierten Wehrmachtsverbände haben der anrückenden militärischen Übermacht absolut nichts mehr entgegenzusetzen.
Bereits im Laufe des Nachmittags übernehmen die amerikanischen Truppen weitgehend kampflos die Kontrolle über das Zentrum der Isarmetropole, nachdem sich die verbliebenen deutschen Verbände hastig über die östlichen Vororte abgesetzt haben. Lediglich im Bereich der SS-Kaserne in Freimann kommt es in den Morgenstunden noch zu blutigen und sinnlosen Gefechten, die bis in den Nachmittag andauern. Mit dem unwiderruflichen Fall von München verliert das NS-Regime in Bayern sein politisches Zentrum, was die Aussichtslosigkeit jeglichen weiteren militärischen Widerstands im Land schonungslos offenlegt.
Schlammpisten, Pontonbrücken und der Vormarsch im Schnee
Während in München die letzten Waffen schweigen, kämpfen die heranrückenden US-Truppen im Umland massiv mit dem brutalen Aprilwetter. Die unaufhörlichen Schneefälle und der kalte Regen fordern auf den unbefestigten Straßen ihren Tribut. Amerikanische Pioniere sind weiter östlich bei Moosburg verzweifelt damit beschäftigt, unter widrigsten Bedingungen eine Pontonbrücke über die Isar zu errichten, da die eigentliche Brücke von abziehenden SS-Truppen kurz zuvor gesprengt worden war.
Die schweren amerikanischen Nachschubkolonnen mit dringend benötigtem Treibstoff und Munition bleiben in den tiefen Schlammpisten stecken. Um ein völliges Versinken der Fahrzeuge zu verhindern, sind die Pioniere gezwungen, die aufgeweichten Wege mühsam mit Holzplanken zu befestigen. Auch die weiter südlich in Richtung Alpen operierenden Panzerbataillone melden an diesem Tag unablässigen Schneefall in den Tälern. Die Natur bäumt sich in einem letzten eiskalten Kraftakt auf, doch die amerikanische Militärmaschinerie wälzt sich unaufhaltsam weiter, während Obergünzburg und das Allgäu endgültig in eine neue, friedliche Besatzungszeit hinübergleiten.
