Ein trüber, wolkenverhangener und stürmischer Donnerstag liegt an diesem 26. April 1945 über dem Günztal. Der eiskalte Wind treibt dunkle Wolken vor sich her und verstärkt die beklemmende Atmosphäre, während das Kriegsende in Obergünzburg nun unausweichlich an die Haustüren pocht. Das ferne, aber stetig lauter werdende Grollen der Artillerie kündigt die herannahende amerikanische Übermacht unwiderruflich an. Die letzten Propaganda-Illusionen der NS-Führung zerbrechen an diesem grauen Tag endgültig an der nackten militärischen Realität.
US-Panzer in Memmingen beschleunigen das Kriegsende in Obergünzburg
Blicken wir an diesem grauen 26. April nach Westen, vollzieht sich dort der entscheidende militärische Durchbruch. Die 44. Infanteriedivision der 7. US-Armee rückt unaufhaltsam auf die historische Stadt vor. Massiv unterstützt durch die schweren Sherman-Panzer des 772. US-Panzerbataillons, erreichen die amerikanischen Verbände im Laufe des Tages die ersten Ausläufer von Memmingen.
Während amerikanische Vorhuten noch am frühen Morgen auf verzweifelten Widerstand durch Handfeuerwaffen und vereinzelten Artilleriebeschuss gestoßen waren, bricht die deutsche Verteidigung nun komplett in sich zusammen. Die ausgezehrten Verteidiger haben der immensen materiellen Übermacht schlichtweg nichts mehr entgegenzusetzen. Am Abend des 26. April wird Memmingen schließlich weitgehend kampflos von den US-Truppen eingenommen und besetzt.
Für unsere Marktgemeinde ist dies das endgültige Fanal in diesem grausamen Krieg. Zwischen den gepanzerten Kolonnen der Amerikaner in Memmingen und den Straßen von Obergünzburg gibt es nun keine geschlossenen Frontlinien mehr. Die zersprengten Reste der Wehrmacht flüchten führungslos vor dem Feind in Richtung der Alpen. Die Zivilbevölkerung ahnt zitternd, dass die fremden Soldaten jederzeit auch hier im Günztal eintreffen können.
Panik, Kaufrausch und das Warten auf die Besatzer
Wie dramatisch sich die innere Auflösung der Gesellschaft in diesen Stunden abspielt, zeigt ein Blick in unsere direkte Nachbarstadt Kaufbeuren. Dort bricht an diesem stürmischen 26. April eine regelrechte Panik unter den Bürgern aus. Jedem ist nun schmerzlich bewusst, dass der Einmarsch der Alliierten unmittelbar bevorsteht und die staatliche Versorgung im Chaos kollabiert.
Ein beispielloser Kaufrausch erfasst die verängstigten Menschen in den Gassen. Die örtlichen Banken werden gestürmt, um noch schnell an das eigene Bargeld zu gelangen, während die Bürger verzweifelt versuchen, jede noch verfügbare Ware zu hamstern. Um diesem enormen Ansturm irgendwie gerecht zu werden, öffnen viele Kaufbeurer Geschäfte in der bevorstehenden Nacht vom 26. auf den 27. April sogar durchgehend ihre Pforten.
Unter dem trüben und stürmischen Himmel wartet Obergünzburg an diesem Donnerstag auf den unausweichlichen Zusammenbruch. Das geregelte gesellschaftliche Leben ist in unserer Heimat komplett zum Erliegen gekommen. Während die Schaufenster in den Nachbarstädten in purer Verzweiflung leergekauft werden, hallt das Dröhnen der US-Panzer aus Memmingen wie ein dunkles Echo durch das Allgäu.