Ein unaufhörlicher, dichter Schneefall legt sich am 2. Mai 1945 wie ein schweres, weißes Leichentuch über das Günztal. Was sich am Vortag als plötzlicher Wintereinbruch angekündigt hatte, wächst sich nun zu einer massiven Wetterfront aus, die das Allgäu in eiskalter Erstarrung gefangen hält. Für die verängstigte Zivilbevölkerung ist das Kriegsende in Obergünzburg bereits zur friedlichen Realität geworden, da sich die amerikanischen Verbände längst weiter in Richtung der rettenden Alpen gewälzt haben. Doch das extreme Maiwetter zwingt die eiserne militärische Maschinerie in der unmittelbaren Nachbarschaft nun endgültig zu einem unfreiwilligen und frostigen Halt.
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13. April 1945
Es ist ein bleigrauer Freitag, der sich über die Marktgemeinde Obergünzburg legt. Ein unbarmherziger Dauerregen verwandelt die ohnehin strapazierten Straßen in tiefe Schlammpisten. Die Sicht ist an diesem 13. April so schlecht, dass die sonst allgegenwärtigen US-Tiefflieger am Boden bleiben müssen. Für die militärische Führung ist dies ein zynischer Trost: Nur die dichte Wolkendecke erlaubt es überhaupt noch, dass bescheidene Reste von Nachschub und Truppenteilen über die aufgeweichten Wege rollen können, ohne sofort vernichtet zu werden. Die Atmosphäre ist beklemmend, aufgeladen mit der Gewissheit des nahenden Zusammenbruchs.
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